Die umstrittenen Zutaten unserer Pflegeprodukte

Ästhetik ohne Ethik

 

Über 13 Milliarden Euro hat die Kosmetikindustrie 2015 alleine in Deutschland umgesetzt. Eine Tageszeitung titelte gar: „Cremen wird zum Volkssport“. Immer mehr Produkte erscheinen uns offenbar unerlässlich. Doch was, wenn uns die gekauften Schönheitsmittelchen mehr schaden als nutzen?

Die meisten Menschen verwenden zahlreiche Tuben und Tigel gleichzeitig. Große Steigerungen verzeichnen vor allem die Verkaufszahlen von Anti-Aging-Produk­ten und Männerkosmetik. Viele Kunden vertrauen auf das Gekaufte und tappen in die Werbe-Falle der ver­meintlich pflegenden und wohltuenden Produkte. „Der­matologisch geprüft“ oder auf „Hautverträglichkeit ge­testet“, so steht es auf den Rückseiten vieler Utensilien geschrieben.

Derartige Formulierungen sind aber nicht geschützt. Die Studie dahinter kann sich schon auf nur wenige Probanden beschränken. Tritt keine allergische Reak­tion auf, nennt der Hersteller seine Ware hautverträg­lich. Reagieren doch einige Personen mit Hautproble­men, kann er immer noch „dermatologisch geprüft“ auf das Erzeugnis schreiben. Geprüft wurde es, wenn auch mit keinem positiven Ergebnis.

Wer mit meist teuren Cremen Körper und Seele etwas Gutes tun möchte, ahnt außerdem oft nicht, welche Sub­stanzen diese Pflegeprodukte beinhalten. Aluminium, Plastik, tierische Bestandteile und Mineralöl – das ist nur ein kleiner Auszug der verwendeten Stoffe.

 

Tipp

Informieren Sie sich im Internet über Naturkosmetiksiegel und achten Sie auf diese beim Einkauf!

Aluminium unter dem Arm, Plastik im Gesicht

Deo, das die Schweißproduktion hemmt, Gesichts­creme, die bräunt – Produkte, die chemisch auf die Haut wirken, können Probleme verursachen. Beson­ders umstritten sind hierbei Aluminiumsalze. Sie ver­schließen Kanäle in der Haut, über die der Schweiß nach außen gelangt. Es ist nicht restlos geklärt, ob sie tatsächlich das Krebsrisiko steigern oder Alzheimer begünstigen. Manche Studien stützen den einen oder den anderen Verdacht, andere nicht. Fest steht, dass ein 60 Kilogramm schwerer Mensch nicht mehr als 8,6 Mikrogramm Aluminium pro Tag aufnehmen sollte. Menschen, die Deos mit Aluminiumsalzen benutzen, überschreiten diese Grenze. Natürliche Bergkristall-oder Aloun-Stifte sind übrigens keine Alternative. Sie bestehen aus Aluminiumkaliumsulfat, einem Doppel­salz von Kalium und Aluminium.

 

Tipp

Apps wie „Codecheck “ geben gratis Aufschluss über Inhaltsstoffe. Gleich downloaden!

Vom Gesicht in den (Speise)-Fisch

Ebenfalls einige Aufmerksamkeit hat in den vergan­genen Jahren das Thema Mikroplastik bekommen. Mikroplastik wird in etlichen Produkten verwendet, weil es kostengünstig und vielseitig einsetzbar ist: Als Schleifmittel in Peelings und Zahncremen oder als Füllstoff und Bindemittel in Duschgels und Kosmeti­ka. Kinder-Produkte lässt es glitzern oder schön bunt aussehen. Das Problem: Mikroplastik ist so fein, dass es sich in Kläranlagen nicht herausfiltern lässt. So ge­langt es in die Flüsse, in die Meere und kontaminiert in ungeahnten Mengen die ohnehin schon stark belasteten Ökosysteme. Tiere verwechseln das Plastik mit Nah­rung und fressen es. Menschen fischen, verspeisen die Ausbeute und so gelangt das Plastik erneut in unsere Körper. Ein ungesunder Kreislauf, den es zu durchbre­chen gilt. Einige Branchenriesen wie Beiersdorf haben auf die anhaltende Kritik reagiert und Mikroplastik aus ihren Produkten verbannt.

 

Tipp

Vermeiden Sie z.B. Produkte mit Silikonen, Parabenen oder Paraffinen! Ein Blick auf die aufgelisteten Inhaltsstoffe lohnt sich.

Hormone im Shampoo

In herkömmlichen Shampoos findet sich eine Vielzahl an Chemikalien. Liest man genauer nach, was sich in dem rosafarbenen, duftenden Gemisch befindet, kann man sich durchaus Sorgen machen. Erdöl-Derivate als Feucht­haltemittel, schaumbildende Sodium Lauryl Sulfate, die sich im Körper ablagern, Silikone, die die Kopfhaut ver­schließen und es so der Haut unmöglich machen, Gift­stoffe auszuscheiden bis hin zu hormonell wirksamen Pa­rabenen. Gerade die gelten als besonders problematisch. Parabene verhindern die Bildung von Schimmel und Kei­men, daher werden sie in vielen Kosmetika eingesetzt. Das Bedenkliche ist, dass Parabene in ihrer chemischen Struktur dem Östrogen-Hormon ähneln. Sie können den Hormonhaushalt negativ beeinflussen und stehen in Verdacht, etwa das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

 

Tipp

Wussten Sie, dass Aluminium nicht nur in Deos enthalten ist? Es findet sich auch in herkömmlichem Make-Up & Co.

Geboren um zu leiden

Tierversuche dienen der Verbrauchersicherheit. So die offizielle Begründung für das millionenfache Lei­den von Tieren. Tierversuche für die Kosmetikpro­dukte sind in der EU verboten und viele Firmen nen­nen ihre Produkte „tierversuchsfrei“. Damit nun ein neuer Rohstoff nicht unter das Verbot von Tierversu­chen für Kosmetika fällt, wird dieser Rohstoff oft ne­benbei noch für ein anderes Einsatzgebiet verwendet, zum Beispiel als Bestandteil eines Farbsprays oder ei­ner Schuhcreme. Durch das Verbot in der EU wurde generell aber bereits ein richtiger Schritt gesetzt. Um ganz sicher zu gehen, können sich Verbraucher aber im Internet informieren, welche Marken tatsächlich gänzlich und global auf Tierversuche verzichten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass von Kun­den, die souveräne Kaufentscheidungen treffen wollen, Sachverstand, Zeit und Geduld gefordert wird, um die Angaben zu verstehen. Wer auf zertifizierte Naturkos­metika zurückgreift, wird allerdings auf der besseren Seite sein. Es sind zum Beispiel die großen Drogerie­ketten, die den Markt mit Eigenmarken erobert haben und zu einem erschwinglichen Preis Körper und Um­welt schonen. Die Auswahl wird dabei immer größer: Ob Gesichtsmasken, Wimperntusche, Haarkuren, Anti-Falten-Cremen – es gibt mittlerweile alles, was das gesundheits- und umweltbewusste Herz begehrt.

Interview: Dr. Florian Hauer, CEFA

Fondsmanager des KEPLER Ethik Aktienfonds und des KEPLER Ethik MixDr. Florian Hauer, CEFA

Herr Dr. Hauer, an Shampoo, Zahnpasta und Duschgel gibt es kein Vorbeikommen. Und gerade weil wir solche Produkte häufig verwenden, wäre es wichtig, dass sie uns und der Umwelt keinen Schaden zufügen. Kann diese Problematik bei ethischen Investments „gegriffen“ werden?

Die Auswirkungen von Kosmetikprodukten auf Gesundheit und Umwelt wird im Nachhaltigkeitsrating durch unseren Partner oekom research berücksichtigt. Die Nutzung bedenklicher Substanzen in Produkten (z.B. fortpflanzungsgefährdende Stoffe oder persistente,
bioakkumulierende, toxische Stoffe) wird negativ beurteilt. Glaubhafte Strategien der Unternehmen in diesem Bereich, inklusive Listen mit eingeschränkten und verbotenen Substanzen sowie auch konkrete Ziele zuEinschränkung oder zum Verbot gewisser Substanzen,
werden aber auch positiv anerkannt.

Tierversuche sind ein Thema, das viele Menschen berührt. Berührt es auch den Fondsmanager eines Ethikfonds?

Natürlich! Wir haben bei unseren Ethikfonds das Ausschlusskriterium „Tierversuche“ aktiviert. Erfasst werden neue wissenschaftliche Experimente mit lebenden Tieren, die Hersteller von Produkten für den privaten Konsum (z.B. Kosmetika, Haushaltsprodukte und kurzlebige Lifestyle-Produkte) durchführen oder in Auftrag geben (außer diese sind gesetzlich vorgeschrieben). Auch wenn sich ein Unternehmen explizit die Möglichkeit zu Tierversuchen vorbehält, wird dies erfasst und wir können in diese Unternehmen in unseren Ethikfonds nicht investieren.

mehr zum KEPLER Ethik Aktienfonds

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Nachhaltigkeit
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