Was unsere Kleidung mit sich bringt

Keine saubere Sache

Egal ob billig oder teuer, obendrüber oder untendrunter: Unsere Kleidung wird mit viel Chemie traktiert, bevor sie in den Schränken hängt. Darunter sind etliche Substanzen, die selbst in kleinen Mengen Umwelt und Gesundheit schädigen. Schön für´s Geldbörserl, wenn das neue Shirt nur neun Euro kostet. Weniger schön, wenn dafür die Umwelt leidet und Arbeiter ausgebeutet werden.

„Radiant Orchid“, „Dazzling Blue“ oder „Purple Haze“ lauten die klingenden Namen einiger Modefarben. Heute stammen 90 Prozent unserer Kleidung mittlerweile aus Asien, insbesondere aus China, Bangladesch oder Indien. Und man sagt: Die Modefarben der Saison erkennt man an den Farben von Asiens Flüssen.

Tipp: Geben Sie Second Hand eine Chance! Gerade bei Babys und Kindern, die schnell wachsen, ist das eine gute Option.

Es sind zum Beispiel große Sportartikelhersteller, die mit einem sportlichen und fairen Image spielen, die aber die Verbraucher im Unklaren über die eingesetzten Schadstoffe in ihrer Kleidung lassen. Während der Produktion wird zwar der Großteil der Kleidung mehrfach gewaschen, damit sich weniger Rückstände im fertigen Produkt finden. Die Chemikalien, die sich bei den häufigen Waschgängen lösen, werden aber oft ungeklärt in die Flüsse geleitet. Zum Leidwesen der Natur und der Menschen die dort leben, nutzt die Textilindustrie – die mittlerweile die größte chemieverbrauchende Industrie ist – die mangelhaften Umweltschutzauflagen der diversen Produktionsländer.

Farbstoffe und Bleichmittel sowie zusätzliche Substanzen, die dafür sorgen, dass Kleider griffiger werden oder weniger knittern, kommen so direkt über das Tragen der Kleidung oder indirekt über Trinkwasser in den Körper. Ein kurzer Auszug aus den Einsatzgebieten dieser Chemikalien und den möglichen Nebenwirkungen liest sich doch eher beunruhigend.

Tipp: Vermeiden Sie Jeans im „Used Look“! Das Sandstrahlen ist ein massives Gesundheitsrisiko für die FabrikarbeiterInnen.

 

Die verwendete Menge ist aber riesig – Schätzungen zufolge werden etwa für die Herstellung von nur einem Paar Jeans neben 8.000 Litern Wasser auch 1,6 Kilogramm Chemikalien verbraucht. Einmal freigesetzt, reichern sich diese Gifte in der Umwelt und im menschlichen Organismus an.

Tipp: Kaufen Sie Qualität! Ökologisch ist jene Kleidung, die man möglichst lange trägt.

Baumwolle: Natur pur?

Von vielen Konsumenten wird gerne auf die Naturfaser Baumwolle zurückgegriffen. Doch gerade dieses Naturprodukt gilt als besonders pestizidbelastet, da es sehr anfällig für Schädlinge ist. Baumwollfelder machen auf der Erde rund 2,4 Prozent aller Anbauflächen aus. Auf diesen 2,4 Prozent werden aber etwa elf Prozent aller erhältlichen Pesitzide und Insektizide eingesetzt. Dieses Missverhältnis spricht Bände. Die Fasern der Bio-Baumwolle werden übrigens ohne Agrargifte produziert. Leider beträgt der biologisch produzierte Anteil von Baumwolle am Weltmarkt bis dato nur etwa 0,5 bis ein Prozent.

Tipp: Do it yourself ist schwer angesagt. Selber nähen erfreut sich immer größerer Beliebtheit! Faire Stoffe und Garne sind das Tüpfelchen auf dem i.

Entgiftung bis 2020

„Detox“ lautet also das Gebot der Stunde. Umweltschutzorganisationen, aber auch politisch Verantwortliche in europäischen Ländern fordern mit diesem Schlagwort die Modemarken auf, sauber zu produzieren und den Einsatz aller gefährlichen Chemikalien bis 2020 auf Null zu fahren. Die großen Sportmarken adidas, Puma und Nike haben sich zu dieser „Entgiftungsaktion“ ebenso verpflichtet, wie die Fashion-Anbieter H&M, Primark, Zara oder C&A.

Als modebewusste/r Frau/Mann von heute sollte man wissen: Je mehr Kleidung hergestellt wird, desto höher auch die Belastung für unsere Umwelt. 20 Kilogramm Textilien verbraucht der/die Durchschnittseuropäer/in pro Jahr. Der/die US-Amerikaner/in sogar 35 Kilogramm. Denn der Kauf von Kleidung ist vielfach eine emotionale Handlung. Marketingexperten wissen: Kleidung hat sehr viel mit Identität und dem Ausprobieren von Rollen zu tun. Auf dieser Klaviatur spielt die Werbung.

Und die Werbung ist auch „Mittäterin“, wenn es um die Arbeitsbedingungen der vielen NäherInnen geht. Man weiß, die Märkte sind gesättigt, also muss noch mehr Kapital in Marketing investiert werden, um den Kunden das Kauferlebnis schmackhaft zu machen.

Tipp: Informieren Sie sich im Internet über faire Labels! Die Auswahl schicker, leistbarer und fairer Kleidung wird immer größer.

Löhne statt Werbung in Hochglanzmagazinen

Kapital, das allerdings besser in Arbeitslöhnen aufgehoben wäre. In den Maquilas, einer zollfreien Fertigungsregion in Mittelamerika bzw. Mexiko, werden ArbeiterInnen immer noch mit Dumpinglöhnen abgespeist. BilligarbeiterInnen arbeiten hier schon seit den 1970ern im Akkord. Ein Beispiel: Von einer Hose, die hier genäht und in den USA um 22 Dollar verkauft wird, bleiben lediglich 1,7 Dollar in der Fabrik. Und davon sollen Löhne ausbezahlt, Maschinen betrieben und Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen gewährleistet werden. Dass diese Rechnung kaum aufgehen kann, scheint klar.

Spätestens seit dem Einsturz des „Rana Plaza“-Hochhauses 2013 in Bangladesch, bei dem 1127 TextilarbeiterInnen ums Leben kamen, ist man auch in Europa hellhörig geworden und erhöht den öffentlichen Druck auf die Branche, endlich ihren sozialen und ökologischen Pflichten nachzukommen. Der gegründete „Bangladesh Accord“ soll insbesondere für mehr Arbeitsschutz in den tausenden Textilfabriken des Landes sorgen.

Interview: Dr. Florian Hauer, CEFA

- Fondsmanager des KEPLER Ethik Aktienfonds und des KEPLER Ethik Mix

Dr. Florian Hauer, CEFAHerr Dr. Hauer, das Thema Kleidung ist aufgrund mehrerer Faktoren belastet. Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Chemikalien – ist die Branche überhaupt investierbar?

Entsprechend unserer Philosophie des Best-in-Class Ansatzes haben wir die Bekleidungs-Branche nicht gänzlich ausgeschlossen, sondern investieren in jene Firmen, welche innerhalb dieser Branche die beste Nachhaltigkeits-Performance aufweisen. Kommt es allerdings selbst bei den „Nachhaltigkeits-Leadern“ zu einem Verstoß gegen eines unserer Ausschlusskriterien wie „Kontroverses Umweltverhalten“, „Menschenrechte“, „Grüne Gentechnik“, etc. können wir nicht in diese Firmen investieren. Aktuell bedeutet dies, dass Investments in der Bekleidungs-Branche nur in drei Unternehmen weltweit, nämlich adidas, Nike und Lenzing, möglich wären. Im Aktienbereich sind wir im KEPLER Ethik Mix aktuell in Nike investiert, da uns diese Aktie auch aus Risiko-/Ertragsgesichtspunkten gut gefällt.

Werden die Unternehmen, die nicht investierbar sind, eigentlich von der KEPLER-FONDS KAG kontaktiert? Ist den Konzernen bewusst, dass ihr Verhalten von den Anlegern „bestraft“ wird?

Im Rahmens unseres „Engagement-Prozesses“ kontaktieren wir Unternehmen, die aufgrund eines Verstoßes gegen unsere Ausschlusskriterien oder aufgrund einer Herabstufung im Nachhaltigkeitsrating aus unserem Anlageuniversum fallen würden. Ziel ist ein Dialog unter Einbeziehung der Analyse der Nachhaltigkeitsratingagentur oekom research. Dem Unternehmen werden die Gründe für den Verstoß gegen Ausschlusskriterien bzw. für die Herabstufung im Rating erläutert und es wird um eine Stellungnahme gebeten.

Durch diesen Engagementprozess sollen nachhaltige Prozesse unterstützt bzw. eingeleitet werden. Man macht das Unternehmen darauf aufmerksam, dass die nachhaltige Entwicklung „von außen“ beobachtet wird und diese für Investmententscheidungen eine wesentliche Rolle spielt.

Die KEPLER-FONDS KAG unterstützt übrigens schon seit 2013 das Interfaith Center on Corporate Responsibility (ICCR) als Unterzeichner jener Investoren-Briefe, die ICCR an Unternehmen aus der Bekleidungsbranche schickt, um sie zu motivieren, den „Bangladesh Accord“ zu unterzeichnen.

» mehr zur KEPLER-FONDS KAG

 

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Nachhaltigkeit
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