Das blaue Gold

Wasser: Eine ethische Priorität

Der griechische Philosoph Thales von Milet stellte schon 500 Jahre vor Christi fest: „Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.“ Die Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärte 2010 das Recht auf einwandfreies Trinkwasser und Sanitärversorgung zum Menschenrecht. Wasser, so scheint es, ist ein allgegenwärtiges Element. Doch der Schein trügt. Lässt man die Erde auf die Größe einer Orange schrumpfen, dann ist alles Trinkwasser dieser Erde nur ein einziger Tropfen. Und dann beginnt es plötzlich eng zu werden.

Betrachtet man unseren blauen Planeten von oben, so sind 70 Prozent mit Wasser bedeckt. Auch treibt es den menschlichen Körper (ebenfalls zu 70 Prozent) an. Und würde man unserem Hirn das Wasser entziehen, wäre es nicht größer als eine Erbse.

Ungleiche Verteilung des Trinkwassers

Trinkwasser ist essenziell – aber ungleich verteilte „Mangelware“. Nur 2,5 Prozent der weltweiten Wasserreserven sind Süßwasser, davon sind wiederum nur 0,5 Prozent als Trinkwasser verfügbar, da das meiste Süßwasser als Eis in den Polargebieten gebunden ist. Rund ein Drittel des verfügbaren Trinkwassers ist unter Boden in Form von Grundwasserreserven. Diese müssen zuerst (oft teuer) zur Nutzung an die Oberfl äche befördert werden. Mit 60 Prozent in Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, USA, Indien, Kolumbien und dem Kongo sind diese auch noch ungleich auf nur wenige Länder verteilt. Alleine der Amazonas enthält 25 Prozent der verfügbaren Süßwasserreserven. Aber: Entlang des Amazonas leben nur sehr wenige Menschen.

In Asien hingegen, jenem Kontinent, auf dem 60 Prozent der Weltbevölkerung leben, „verfügt“ man nur über 36 Prozent der weltweiten Wasservorkommen. 1,5 Milliarden Menschen haben demnach weltweit keinen Zugang zu sauberem Wasser. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist das sogar bei 60 Prozent der Fall.

Wachsende Bevölkerung verschärft das Problem

Diese Problematik hat sich aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung zu Beginn des 21. Jahrhunderts verschärft. Mit circa sechs Milliarden Menschen derzeit – im Vergleich zu 1,6 Milliarden im Jahr 1900 – hat sich auch der weltweite Wasserkonsum in den vergangenen 100 Jahren verzehnfacht. Wobei der Verbrauch pro Kopf und Tag erheblich zwischen reichen und armen Ländern schwankt. In den modernen Industriestaaten verbraucht eine Person zwischen 100 und 200 Liter am Tag, in der Wüstenstadt Dubai sogar bis zu 500 Liter. In Indien dagegen sind es nur 25 Liter pro Kopf und Tag. Geht man von der geschätzten Weltbevölkerungszahl von neun Milliarden aus, so könnten in 20 Jahren drei Milliarden Menschen von Wassermangel betroffen sein.

Durstige Baumwolle

Ein plakatives Beispiel: Baumwolle ist zum Beispiel ein großer Wasserverbraucher. So kostet ein Kilo Baumwolle zwischen 10.000 und 17.000 Liter blaues Nass, in sehr trockenen Gegenden wie dem Sudan können es sogar 29.000 Liter sein. Zum Vergleich: In eine Badewanne passen etwa 140 Liter Wasser. Man schätzt, dass für die Kultivierung der Naturfaser derzeit etwa so viel Wasser verbraucht wird, wie in allen privaten Haushalten der Erde zusammen.

Der intensive Baumwollanbau war es, der aus dem einst viertgrößten Binnengewässer der Erde, dem Aralsee, eine Salzwüste machte. Es war 1925 als Josef Stalin beschloss, die mittelasiatischen Sowjetrepubliken in riesige Baumwollplantagen zu verwandeln. Weil die Region für den Anbau zu trocken war, machten sich die Sowjets mit Bewässerungskanälen an eines der ehrgeizigsten Ingenieursprojekte der Weltgeschichte. 1987 war der Wasserspiegel des Aralsee so weit gesunken, dass er sich in zwei Gewässer teilte. Der nördliche See in Kasachstan wurde mittels 13 Kilometer Staudamm gerettet, zugleich schnitt er den Rest endgültig von einer der wichtigsten Wasserquellen ab.

Heute liegen ehemalige Hafenstädte, Bade- und Uferorte mitten in der Wüste, mehr als 100 Kilometer von der ak- Das blaue Gold Wasser: Eine ethische Priorität IM BLICKPUNKT 15 tuellen Uferlinie entfernt. Nach dem Rückzug der Wasserlinie bleibt eine Salz- und Staubwüste, die durch den jahrzehntelangen hohen Einsatz von künstlichen Düngemitteln, Herbiziden, Pestiziden und anderen Schadstoff en zudem hoch gesundheitsgefährdend ist. Doch der Aralsee ist nur ein Beispiel. Auch in Kalifornien sind rund 90 Prozent der Feuchtgebiete verschwunden.

Wasser droht immer mehr zum Streitobjekt zu werden. Bei 263 grenzüberschreitenden Flüssen und 300 von mehreren Ländern genutzten großen Grundwasservorkommen ist das wenig verwunderlich. Als Hot Spots identifi zieren die Experten Teile Asiens und Afrikas sowie den Nahen Osten. Es gärt beispielsweise am Brahmaputra, wo seit Jahren Pläne zirkulieren, den Fluss umzuleiten, sodass er nicht mehr gänzlich nach Indien fl ießt, sondern stattdessen die Felder in China bewässert. Das Konfl iktpotenzial an derartig wichtigen Lebensadern wird dadurch verschärft, dass teilweise gar keine Verträge vorliegen, die die Verteilung des Wassers zwischen den Staaten regeln. Zudem verändert der Klimawandel die Menge an Wasser in Flüssen dramatisch. Großkonzerne, die längst in den Handel mit dem knappen Gut eingestiegen sind, verschärfen mit ihren Aktivitäten die Situation. Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé ist mit 16 Prozent Marktanteil beim Abfüllen von Mineralwasser Weltmarktführer und nur einer von vielen Global Playern mit Interesse am „blauen Gold“.

Ein kleiner Beitrag von uns Konsumenten

Konsumenten können auch hier wieder einen kleinen Teil beitragen. Wasser ist in Österreich zwar günstig, aber dennoch sollte man damit sorgsam umgehen. Das Wasser sauberzuhalten ist ebenfalls ein bedeutender Punkt. Umweltfreundliche Wasch- und Putzmittel, die zum Beispiel Wasserorganismen keinen Schaden zufügen, spielen eine wichtige Rolle - vor allem angesichts der verwendeten Mengen. Und zu guter Letzt: Schädliches wie Batterien und Medikamente sollten niemals im Hausmüll entsorgt werden, damit sich keine unerwünschten Stoff e im schützenswerten Gut Wasser anreichern. 

 

Dr. Florian Hauer, CEFA

Viele Unternehmen haben durch ihre Geschäftstätigkeit einen unmittelbaren Einfl uss auf den Wasserhaushalt, sind aber auch direkt von ihm abhängig. Versorger, Textilunternehmen oder Bergbau: Eine intensive Wassernutzug ist ihnen gemein. Welche Aspekte zu diesem Th ema betrachten Sie denn kritisch bei Investmententscheidungen?

Unser Partner im Nachhaltigkeitsresearch, oekom research, berücksichtigt im Unternehmensrating das Th ema Wasser umfangreich in Abhängigkeit von der Risikoexposition in der jeweiligen Branche. Unter anderem wird bewertet, ob es Aktivitäten in Regionen mit Wasserknappheit gibt, wie hoch der Trinkwasserverbrauch ist oder ob es Aktionspläne und Ziele zur Reduktion des Trinkwasserverbrauchs gibt.

Branchenspezifisch können sogar noch weitere Indikatoren hinzukommen, im Falle der Nahrungsmittelbranche zum Beispiel der Schutz der Gewässer. All diese Punkte fl ießen in die Nachhaltigkeitsanalyse ein, die (unter Berücksichtigung unserer Ausschlusskriterien) schlussendlich zum Anlageuniversum jener Unternehmen, in die wir in den KEPLER Ethik Fonds investieren dürfen, führt.

Ein recht anschauliches Negativbeispiel wäre Rio Tinto, das im Wasserbereich des Unternehmensratings von oekom research sehr schlecht abschneidet und auch insgesamt ein schlechtes Nachhaltigkeitsrating bekommen hat und somit für uns nicht investierbar ist. Ein Unternehmen, das positiv im Wasserbereich hervorsticht, wäre der französische Nahrungsmittelkonzern Danone, der angemessene Maßnahmen zur Sicherstellung eines nachhaltigen Wasserverbrauchs in der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion vorweisen kann. In den KEPLER Ethikfonds sind wir hier aber aktuell aus Gründen der fundamentalen Aktienbewertung ebenfalls nicht investiert.

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