Managerin im Portrait

Polytec Group

Frauen in Führungspositionen sind in Österreich nach wie vor eine Minderheit. Dabei könnten weibliche Stärken vor allem in technikaffinen Branchen zu besseren Lösungen führen, meint Polytec-Chefin Ulrike Huemer.

In Österreichs Chefetagen geben die Männer den Ton an. Fragt man nach den Ursachen, hört man oft von fehlender Qualifikation oder Motivation in der Damenwelt. „Das ist mittlerweile keine Frage mehr des Wollens oder Könnens“, widerspricht Ulrike Huemer, Mitgründerin der Polytec Group. Heute ist das inzwischen börsennotierte Unternehmen mit 25 Standorten weltweit schwerpunktmäßig in der Automobilindustrie tätig. Huemers Verantwortungsbereich liegt unabhängig vom Core Business in der Polyurethanverarbeitung und im Sondermaschinenbau. „Wir produzieren im Wesentlichen Verschleißteile für die Industrie und bauen Maschinen für die Verarbeitung reaktiver Kunststoffe. Ich bewege mich also in einer typischen Männerwelt“, erklärt die Unternehmerin. Ihr Fazit: „Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist das große Thema. Kümmern sich trotz Gleichberechtigung nicht nach wie vor die Frauen mehr um die Kinder?“ Unternehmenskulturen, die Karriere und Kind etwa mit flexiblen Arbeitszeiten vermählen wollen, sind gut, aber in Chefetagen kaum anwendbar. „Viele Frauen bleiben deshalb in der zweiten Ebene hängen.“

Der Sprung ins kalte Wasser

Huemer weiß, wie fordernd die Doppelrolle als Managerin und Mutter ist. „Gemeinsam mit einem stillen Gesellschafter gründeten wir 1986 die Polytec Kunststoffverarbeitungsgesellschaft. Für meinen Mann war es damals selbstverständlich, dass ich meinen Job aufgebe und wir uns gemeinsam dieser Aufgabe stellen.“ Die Familie blieb dennoch in ihrem Verantwortungsbereich. „Unser Sohn war erst vier, damals gab es viel weniger Betreuungsstätten als heute.“ Wenige Wochen nach der Gründung hatte ihr Ehemann Friedrich zudem einen schweren Autounfall. „Ich hatte keine Ahnung von der Produktion unserer Artikel“, erinnert sich die Geschäftsführerin. Sie musste schnell lernen: Die Kunden pochten auf Termintreue. „Also stellte ich mich selbst an die Maschine.“

1995 folgte die nächste kalte Dusche. „Über die Raiffeisenlandesbank OÖ wurde meinem Mann die Übernahme der Firma f/o/r in Hörsching angeboten und prompt wechselte er in die Automobilzulieferindustrie“, erzählt Huemer. Also übergab er die Geschäftsführung der bestehenden Betriebe an seine Frau. „Ich war mit drei männerdominierten Produktionsfirmen und einer neuen Beteiligung plötzlich allein: Auf mich stürzte eine Lawine ein. Auch für die Mitarbeiter, die plötzlich mich als Chefin hatten“, schmunzelt Ulrike Huemer.

Die bessere Lösung

Mittlerweile ist sie seit dreißig Jahren in der nach wie vor von Männern dominierten Branche erfolgreich. „Kein Kunde hat ein Problem mit mir als Frau, ganz im Gegenteil. Ich fühle mich aufgrund meiner fachlichen und sozialen Kompetenzen akzeptiert und willkommen“, konstatiert sie. Ob es so etwas wie einen „weiblichen Mehrwert“ gibt? „Ich glaube, dass Frauen strukturierter an Aufgaben herangehen, besser zuhören können, die Wahrnehmung eines Problems anders gewichten und dadurch oft sehr gute Lösungsansätze entstehen“, so Huemer. „Frauen haben ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein im eigenen Betätigungsfeld. Sie verhandeln beziehungsorientierter und versuchen, durch im Vorfeld ausgearbeitete Lösungsansätze das Thema auf menschlicher Ebene zu lösen. In Zusammenarbeit mit einem Techniker-Team bringt das durchaus einen Mehrwert!“

Karriere beim familienfreundlichen Arbeitgeber

Flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Gesundheitsmanagement, Mitarbeiterrabatte und vieles mehr - die Raiffeisenlandesbank OÖ punktet mit zahlreichen Benefits bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dafür wurde sie schon mehrfach mit dem Zertifikat "audit berufundfamilie" ausgezeichnet.

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