Fehler beim Erben und Verschenken

Fallstricke beim Erben und Verschenken 

Beim Vererben bzw. Verschenken geht es um wesentliche Vermögenswerte. Fehler können große finanzielle Auswirkungen haben. Wir sind häufigen Missverständnissen zum Thema auf den Grund gegangen. 
 

  • Sie haben Ihr Testament zu Hause auf dem Computer geschrieben. Ist das gültig?
  • Durch die Übergabe der Wohnung an Ihre Nachkommen zu Lebzeiten wollen Sie verhindern, dass im Pflegefall Gelder regressiert werden können. Müssen Sie dabei bestimmte Fristen beachten?
  • Sie verschenken Ihr Hab und Gut. Können Sie damit Ihre Nachkommen enterben?

Im schlimmsten Fall können Fehler beim Vererben bzw. bei der Übergabe von Vermögen dazu führen, dass das, was der Erblasser bzw. Übergeber eigentlich wollte, nicht passiert. Denn manches, was sich scheinbar ganz klar darstellt, ist juristisch gesehen anders.


Irrtümer beim Erben und Schenken

"Ich kann auf ein Testament verzichten"

Dass etwa der eigene Partner alles erbt (z.B. das gemeinsam bewohnte Haus), ist ein Trugschluss. Denn wenn es kein Testament gibt, dann kommt die gesetzliche Erbfolge zum Tragen. Und bei dieser erben die Kinder zwei Drittel. Ehepartner, die sich wechselseitig beerben wollen, müssen also ein Testament abfassen. Ganz besonders gilt dies für Lebensgemeinschaften. Lebensgefährten kommen zwar seit diesem Jahr erstmals im Erbrecht vor. Sie erben aber nur dann, wenn es gar keine andere (testamentarische oder gesetzliche) Erben gibt.


"Es genügt, wenn ich das Testament per Hand unterschreibe"

Ein eigenhändiges Testament muss wirklich mit "eigener Hand" geschrieben und auch unterschrieben werden. Wenn das Testament auf dem PC geschrieben wurde, dann gilt es als "fremdhändiges Testament". Und dieses ist nur gültig, wenn es vor drei Zeugen unterschrieben wird. Diese müssen ihrem Namen den Zusatz "als Testamentszeuge" nachstellen. Außerdem müssen Sie als Testamentserrichter seit diesem Jahr dem Testament handschriftlich einen Zusatz anfügen, aus dem hervorgeht, dass dieses Testament Ihren letzten Willen enthält.

 

"Mit einer Schenkung kann ich meine Nachkommen enterben"

Schenkungen (Übergabe ohne Gegenleistungen) sind keine Möglichkeit, Nachkommen, die einen Anspruch auf den so genannten Pflichtteil haben, von diesem auszuschließen. Pflichtteilsberechtigte Personen können den Pflichtteil vom Beschenkten verlangen – teilweise zeitlich unbegrenzt, wenn der Beschenkte selbst zum Kreis der Pflichtteilsberechtigten gehört. Andernfalls können Pflichtteilsberechtigte ihren Anspruch nur dann geltend machen, wenn zwischen Schenkung und Eintreten des Erbfalls nicht mehr als zwei Jahre vergehen. Pflichtteilsberechtigte sind seit diesem Jahr übrigens nur mehr die direkten Nachkommen bzw. der Ehepartner / eingetragene Partner des Verstorbenen.

 

"Schulden und Kredite werden nicht vererbt"

Auch die finanziellen Verbindlichkeiten sind Teil des Nachlasses. Wenn man sich als Erbe absichern will, dann sollte man eine so genannte bedingte Erbserklärung abgeben. Damit ist die Haftung für allfällige Schulden auf den Wert des Nachlassvermögens begrenzt. Natürlich kann man als Erbe auch völlig auf den Nachlass verzichten.

 

"Mit einer Übergabe vermeide ich Regressionsansprüche im Pflegefall"

Das ist nicht in jedem Fall so. Hier kommt es vor allem auf die Fristen an. Diese sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Innerhalb bestimmter Fristen können die Pflegeträger sehr wohl auf das Vermögen zugreifen. Erkundigen Sie sich also über die Gepflogenheiten in Ihrem Bundesland und warten Sie – wenn Sie ohnehin eine Übergabe planen – nicht allzu lange damit zu.

 

"Wenn ich meine Immobilie übergebe, dann kann ich weiter darin wohnen"

Dies wird auch in der Regel so sein. Auf juristisch festem Boden steht dies allerdings nur, wenn Sie als Übergeber Ihrer Immobilie ein Wohngebrauchsrecht im Übergabevertrag verankert haben. Üblich und nützlich ist auch ein Belastungs- und Veräußerungsverbot.

 

kompetente, persönliche beratung

Bei der Abfassung des Testaments oder bei der Formulierung eines Übergabe- bzw. Schenkungsvertrages sollten Sie jedenfalls den sachkundigen Rat eines Rechtsanwalts oder Notars einholen. Wenn es um finanzielle Aspekte geht, auch darum, wie Sie Ihren Vermögensaufbau im Hinblick auf eine spätere Teilung gestalten, dann ist Ihr Raiffeisenberater der richtige Ansprechpartner.

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