Amalie Raiffeisen

„Geheimsekräterin“ der Genossenschaftsidee

Amalie Raiffeisen

„Geheimsekräterin“ der Genossenschaftsidee
 

Die Geschichte von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und seiner Genossenschaftsidee ist weithin bekannt. Das ist vor allem auch der Verdienst seiner Tochter Amalie – denn was wäre die beste Idee ohne deren Verbreitung? Er nannte sie seinen „Geheimsekretär“, war sie es doch, die das 227 Seiten starke Buch „Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung“ für ihren Vater aufschrieb.
 

Genossenschaft = Solidarität

Am 30. März 1818 wird der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen im deutschen Westerwald geboren. Mit 25 Jahren ist er Bürgermeister in der von Hunger und Armut geprägten Gemeinde Weyerbusch. Täglich wird er durch seine Arbeit mit der Not der Bauern, Arbeiter und Handwerker konfrontiert. Raiffeisen, der selbst aus einem sehr religiös geprägten Elternhaus stammt, besinnt sich auf die christliche Solidarität: Was einer nicht schafft, das schaffen viele. Er gewinnt die Überzeugung, dass nur Hilfe zur Selbsthilfe die Probleme der Menschen dauerhaft lösen kann, und gründet 1862 den ersten sogenannten „Dahrlehenskassenverein“. Damit eröffnet sich für viele Menschen erstmals die Möglichkeit, Geld für Investitionen oder die Überbrückung von Dürrejahren aufzunehmen. Der Grundstein für die heute weltumspannende Organisation der Raiffeisengenossenschaften ist gelegt. (5)

  

Eine Ideenschmiede als Familienbetrieb

Mit nur 47 Jahren wird Friedrich Wilhelm Raiffeisen wegen einer Typhus-Erkrankung als Beamter pensioniert. Jetzt hat er endlich mehr Zeit, sich dem Aufbau des Genossenschaftswesens zu widmen. Raiffeisen ist aufgrund seines Augenleidens dabei schon komplett auf die Hilfe seiner Tochter Amalie angewiesen: Der damals 19-Jährigen diktiert er sein erstes Buch über Darlehenskassenvereine, eine „praktische Anleitung zur Bildung solcher Vereine, gestützt auf sechszehnjährige Erfahrung“. Sein „Augenlicht“ nennt der nahezu blinde Vater seine Tochter und ist sich seiner Abhängigkeit von ihr voll bewusst. Amalie ist aber weit mehr als nur Raiffeisens Schreibkraft: Seit dem frühen Tod der Mutter führt sie den Haushalt und kümmert sich um die Erziehung ihrer jüngeren Geschwister. Sie übernimmt größtenteils die Geschäftsführung im väterlichen Weinhandel und sichert damit das wirtschaftliche Auskommen der Familie. Amalie Raiffeisen ist Beraterin, Ansprechpartnerin und emotionale Stütze für ihren Vater Friedrich Wilhelm. Bis zu dessen plötzlichen Tod 1888 verfasst sie für ihn vier weitere Bücher bzw. Neuauflagen seines Lebenswerks. Nach dem Ableben des Vaters zieht sich die Tochter aus der Raiffeisenbewegung zurück. Ihr Bruder Rudolf versucht die Rolle des Vaters zu übernehmen und scheitert. Amalie Raiffeisen verstirbt 51-Jährig und bleibt bis zu ihrem Tod das einzige Mitglied der Raiffeisen-Familie, das Anteile am Unternehmen ihres Vaters besitzt. (6)

Die Kraft einer Idee

Genossenschaftsgründungen im Sinne Friedrich Wilhelm Raiffeisens erlebten noch zu seinen Lebzeiten vor allem in Deutschland einen gewaltigen Aufschwung. Heute wirtschaften über 2,6 Millionen Genossenschaften mit rund 1 Milliarde Mitgliedern weltweit nach den Prinzipien von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. (4) Genossenschaften verstehen sich dabei nicht als Alternative zum Wirtschaftssystem unserer Zeit – wohl aber als eine Alternative innerhalb dieses Wirtschaftssystems: Sie stehen für Eigeninitiative in der Gemeinschaft, für demokratische Kultur, für Sicherheit und Stabilität. Heute gibt es in Österreich über 1.500 Raiffeisen-Genossenschaften, von denen viele auf eine jahrzehntelange und oft sogar über 100-jährige Tradition zurückblicken. (3)

 

Genossenschaftsidee – ein Wirtschaftsmodell mit starken Prinzipien
 

  • Kooperation mit Prinzipien
    Auch im 21. Jahrhunderts bewährt sich dieses Wirtschaftsmodell. Dessen Prinzipien Selbstverwaltung, Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit sind aktueller denn je. Die Organisation folgt einer einfachen Linie: Einzelne Genossenschaftsmitglieder schließen sich zusammen und gründen ein gemeinschaftlich betriebenes Unternehmen. Man tritt gemeinsam am Markt auf, etwa um günstige Absatz- und Beschaffungskonditionen zu erlangen oder betriebliche Funktionen effizienter und qualitativ hochwertiger ausüben zu können.
     
  • Demokratische Rechtsform
    Sie werden von Personen geführt, die selbst Mitglied sind. Die grundsätzlichen Entscheidungen werden in der Generalversammlung getroffen. Hier hat jedes Mitglied unabhängig von seiner Kapitalbeteiligung nur eine Stimme. Dadurch ist die Genossenschaft vor der Dominanz einzelner Mehrheitseigner und damit auch vor Übernahmen geschützt.Genossenschaftlicher Verbund
     
  • Genossenschaftlicher Verbund
    Jede Genossenschaft gehört einem gesetzlichen Prüfungsverband an. Dieser Genossenschaftsverband nimmt in regelmäßigen Zeitabständen eine Jahresabschlussprüfung vor. Dabei werden nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse geprüft, sondern auch die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung. Der Prüfungsverband betreut darüber hinaus seine Mitgliedsgenossenschaften in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Fragen.
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